Praxisschulen der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule - Edith Stein

Prof. Thomas Stecher, BEd

Historischer Rückblick

1826     ermöglichten die Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul den Mädchen aus der Region den Schulbesuch in Zams. Die Krankenpflege Armer und Kranker gab es bereits seit 1811, wo heute noch das Krankenhaus steht. Im Kloster gab es ein Mädcheninternat und die Industrieschule. Das damalige Mädcheninstitut war eine Volks- und Fortbildungsschule.

1887     wurde dem Institut das Öffentlichkeitsrecht verliehen und ab dem Folgejahr dienten die zwei Klassen dieser Konviktschule als Übungsschule für die Lehrerinnenbildungsanstalt (LnBA).

1919     Am 5. August stellte die Leitung des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern von Zams an den Landesschulrat von Tirol das Ansuchen um Eröffnung einer Privat-Mädchen-Bürgerschule. Mit Beginn des Schuljahres 1919/20 wurde die Schule zweiklassig eröffnet. Nach eingehender Inspektion durch den Bezirksschulinspektor konnte um die Verleihung des Öffentlichkeitsrechtes angesucht werden.

1921     Am 26. Juni wurde das Öffentlichkeitsrecht erteilt.

1928     Mit dem Schuljahr 1928/29 wurde die dann dreiklassige Bürgerschule in eine vierklassige „Mädchen-Haupt- und Bürgerschule“ umgewandelt.

1929     genehmigte der Landesschulrat für Tirol die Einführung des Koch- und Haushaltsunterrichts in der 3. Klasse der Haupt- und Bürgerschule.

1931     Ab dem Schuljahr 1931/32 war die Führung der „Englischen Sprache“ als zweite Fremdsprache neben der „Italienischen Sprache“ gestattet. Der Unterricht aus Italienisch durfte im Schuljahr 1936/37 eingestellt werden.

1938 – 1945

Während der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich wurde die Schule auf Weisung des Landesschulrates geschlossen, um „eine Schulerziehung im Geiste nationalsozialistischer Weltanschauung zu gewährleisten“.

1945     Im Oktober wurde die Mädchenhauptschule wieder eröffnet. Sie diente in den folgenden Jahren abermals als Übungsschule für die Lehrerinnenbildungsanstalt.

1963     wurde die Lehrerinnenbildungsanstalt in ein Musisch-pädagogisches Realgymnasium umgewandelt.

1968     nahm dann die Pädagogische Akademie in Zams ihren Betrieb auf. Die bereits bestehenden Übungsklassen (damals drei Klassen an der Volksschule Zams und die vier Hauptschulklassen im Kloster) wurden als „Übungsschulen“ der Pädagogischen Akademie (PA) der Barmherzigen Schwestern von Zams angegliedert.

1973     übernahm die Diözese Innsbruck die Pädagogische Akademie, die nach wie vor in den Räumlichkeiten des Mutterhauses untergebracht war.

1993     übersiedelte die Pädagogische Akademie der Diözese Innsbruck in die Räumlichkeiten des Stiftes Stams. Die Standorte und die Leitung der Übungsvolks- und Übungshauptschule blieben weiterhin in Zams. Es entstand damit eine Dislozierung von etwa 35 km.

2007     kam es mit der Überführung der Pädagogischen Akademien in Pädagogische Hochschulen dann unter anderem auch zu einer Namensänderung: Aus den beiden Übungsschulen entstanden die beiden Praxisschulen der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule - Edith Stein.

2011     startete die Praxishauptschule beginnend mit der 1. Klasse mit dem Schulversuch „Neue Mittelschule“.

2012     wurde der Schulversuch Neue Mittelschule per Gesetz in das Regelsystem übergeführt und löste somit als neuer Schultyp die Hauptschule ab.

 

Praxisvolksschule

Die ursprünglichen drei Übungsschulklassen waren von Anfang an in den Räumlichkeiten der Volksschule Zams untergebracht.

1995     erfolgte eine großzügige Erweiterung und Sanierung, da weiterer Raum für das Sonderpädagogische Zentrum benötigt wurde, das seit 1996 in diesem Haus beheimatet ist.

2004     feierten die drei Schulen (VS Zams, Übungsvolksschule und Sonderpädagogisches Zentrum) das 100-jährige Bestehen der VS Zams.

Die aus der Übungsvolksschule hervorgegangene Praxisvolksschule wurde bis zum Schuljahr 2012/13 zweiklassig geführt.

2012     fasste der Hochschulrat der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule - Edith Stein den Beschluss, die beiden Praxisklassen nicht mehr weiterzuführen.

2014     Mit dem Schuljahr 2013/14 endete somit eine jahrzehntelange Tradition und die Praxisvolksschule der KPH - Edith Stein wurde geschlossen.

 

Schulleiter seit 1982:

1982 - 1990: RegR Prof. Josef Hauser

1990 - 2003: OStR Prof. Ingomar Öhler

2003 - 2008: OStR Prof. Wendelin Scherl

2008 - 2014: Prof. Thomas Stecher, BEd

 


Übungshauptschule/Praxishauptschule/Praxismittelschule

Die Praxismittelschule ist eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht und wird traditionell nach wie vor als reine Mädchenschule und Ganztagesschule in der sogenannten verschränkten Form geführt. Bei dieser Form der Ganztagesbetreuung wechseln Unterrichts-, Lern- und Betreuungszeiten im Laufe des Tages ab, wobei der Übergang zwischen Lern-, Freizeit- und Betreuungsphasen fließend ist.
1997     Bis dahin wurden die Schülerinnen während der Mittagspause und in den Lernzeiten durch die klassenführenden Schwestern des Mutterhauses Zams betreut. In diesem Jahr wurde der Hort St. Vinzenz gegründet, der die Aufgabe der Mittags- und Nachmittagsbetreuung übernommen hat. Bis heute gibt es für die Mädchen verschiedene Möglichkeiten, ihre Mittagspause zu verbringen. Sie können nach Hause fahren oder den betreuten Mittagstisch mit Hort in Anspruch nehmen. Die Betreuung im Hort erfolgt ausschließlich für Schülerinnen der Praxisschule. An Schultagen ist der Hort St. Vinzenz bis 18.00 Uhr geöffnet.

2002   im Juni wurden die drei Schulen im Kloster (Oberstufenrealgymnasium, Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik und Übungshauptschule) unter dem Namen Katharina Lins Schulen zusammengefasst. Zu der Zeit wurde auch das neue Leitbild vorgestellt, das auf den vier Merkmalen des Umgangs mit den Menschen nach Vinzenz von Paul aufbaut (Pädagogik der Beziehung, Pädagogik der kleinen Schritte, Pädagogik des Vertrauens, Zielorientierte Pädagogik). Christliche Werte, Vinzentinische Pädagogik, die Würde des Menschen und Vorrang für Benachteiligte stehen bei der Ausbildung, Persönlichkeitsentwicklung, Gemeinschaft und Spiritualität im Vordergrund. Es wird nicht nur die Wissensvermittlung betont, sondern auch Kenntnisse und Fertigkeiten sollen gefördert werden und Voraussetzungen für die persönliche Lebensgestaltung bilden.
2007   Der Schule war bis zum Schuljahr 2006/07 auch ein Halbinternat für Mädchen angeschlossen. Der Ausbau des Verkehrsnetzes und die Einführung der Schülerfreifahrten begünstigten den Trend zum Besuch der Schule als externe Schülerinnen und die Anzahl der Internatsschülerinnen ging zurück. Im Jahr 2003/04 wurden die letzten Hauptschülerinnen im Internat aufgenommen. Die Räumlichkeiten des Hauptschulinternats wurden adaptiert und umgebaut und zum Teil dem Mädchenwohnheim der Katharina Lins Schulen angegliedert. Dort finden Mädchen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren während der Schulzeit eine Wohnmöglichkeit. Im Schuljahr 2006/07 besuchten die letzten drei Mädchen das Hauptschulinternat.

2008     starteten österreichweit einige Pilotschulen mit dem Schulversuch „Neue Mittelschule“. Für die Teilnahme am Schulversuch waren zu dieser Zeit eine Abstimmung innerhalb des Lehrkörpers, eine Befragung der Eltern und ein entsprechendes Ansuchen an das Bundesministerium notwendig. Nach einer eingehenden Diskussionsphase innerhalb des Lehrkörpers fand im Schuljahr 2009/10 die entsprechende Abstimmung statt. Da sowohl der Lehrkörper als auch die Eltern dem Vorhaben sehr positiv gegenüberstanden, wurde der Antrag auf Aufnahme in den Schulversuch „Neue Mittelschule der Generation 3“ gestellt. Die damals noch geltende 10% Grenze für den Schulversuch verhinderte einen Beginn im Schuljahr 2010/11. Nachdem die Politik diese Grenze im Dezember 2010 abgeschafft hatte, wurde ab dem Schuljahr 2011/12, beginnend mit der 1. Klasse, die Praxishauptschule nach dem Lehrplan der Neuen Mittelschule geführt. Die restlichen drei Klassen wurden auslaufend weiterhin nach dem Lehrplan der Hauptschule unterrichtet.
2012     führte eine weitere Entscheidung der Verantwortlichen in der Politik dazu, dass der Schulversuch ab dem Schuljahr 2012/13 ins Regelsystem übergeführt wurde. Die gesetzliche Verankerung der Neuen Mittelschule als neuer Schultyp hat im Vergleich zu den Vorgaben im Modellversuch noch einmal einige Änderungen mit sich gebracht. Die autonome Stundentafel musste entsprechend angepasst werden. Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Anpassungen wurden weitere autonome Änderungen im Rahmen des Schulforums beschlossen. Ein autonomer Pflichtgegenstand „Methoden- und Kompetenztraining“ wurde für die 5. und 6. Schulstufe eingeführt, der entsprechende Lehrplan verfasst und zur Genehmigung eingereicht. Das Fach „Geometrisches Zeichnen“ wurde ebenfalls als autonomer Pflichtgegenstand in der 7. Schulstufe verankert.
2014     Seit Herbst 2014 werden alle vier Klassen nach den Vorgaben der Neuen Mittelschule geführt. Mit der Einführung der Leistungsgruppen in den Achtzigerjahren hat die damalige Übungshauptschule mit Genehmigung des Ministeriums einen eigenen Weg eingeschlagen. In den Hauptfächern wurden die Leistungsgruppen ab 1986 heterogen geführt, um mehr gegenseitige Motivation sowie soziale Integration im Klassenverband zu ermöglichen. Heterogen bedeutete in diesem Fall, dass die Schülerinnen aller drei Leistungsgruppen gemeinsam unterrichtet wurden. Die Idee, Schülerinnen mit unterschiedlichem Leistungsniveau gemeinsam zu unterrichten wurde an der damaligen Übungshauptschule also bereits lange vor Einführung der Neuen Mittelschule umgesetzt. Mit der Einführung der Neuen Mittelschule kam es bekanntlich zu einer generellen Abschaffung der Leistungsgruppen.

Mit 1. September 2012 wurde nach einer Novellierung des Schulaufsichtsgesetzes die Initiative „SQA – Schulqualität Allgemeinbildung“ ins Leben gerufen. Schulen definieren jeweils über einen Zeitraum von drei Jahren Themen und Entwicklungsziele für den einzelnen Standort. Das Erreichen der Ziele wird jährlich auch in Form von Gesprächen mit der Schulaufsicht überprüft und die Entwicklungspläne werden entsprechend angepasst. Die Praxismittelschule hat bereits bei der Pilotierung im Schuljahr 2012/13 mitgearbeitet und ein Jahr früher mit der Umsetzung begonnen. Berufsorientierung stellt ein zentrales Thema bei SQA dar. 2014 erwarb die Neue Praxismittelschule eine Auszeichnung in diesem Fach in Form eines zertifizierten Gütesiegels.

 

Persönliche Schlussbemerkungen:

Ein Satz von Maria Montessori[1] hat mich bei meiner Arbeit immer inspiriert: „Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren“. Die Erfüllung dieser Aufgabe stellt sicherlich einen hohen Anspruch an die Gesellschaft und an die Schule. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Die letzten Jahre waren geprägt von großen Veränderungen innerhalb der Schullandschaft und der Gesellschaft. In einer Zeit, in der sich der Wandel gefühlsmäßig immer schneller vollzieht, muss natürlich auch die Institution Schule in angemessener Weise auf die Veränderungen reagieren und sich neuen Gegebenheiten anpassen. Wir sollten dabei aber nicht Ziele und Visionen aus den Augen verlieren, die uns wichtig sind. Soziales Engagement, Herzensbildung, Gemeinschaftspflege, das Pflegen von Ritualen, eine förderliche Lernkultur, Raum für Kreativität, ein angenehmes Arbeitsklima und eine fundierte Allgemeinbildung sind für mich nach wie vor wichtige Merkmale einer guten Schule. Als Leiter werde ich mich auch in Zukunft persönlich dafür einsetzen, dass wir junge Menschen heranbilden, die Schule als einen solchen Ort erleben dürfen. Mit einem Zitat von Paul Moor[2] möchte ich schließen: „Probleme sind nicht durch Nachdenken und nicht durch Meditieren zu lösen, sondern alleine dadurch, dass man Einsichten, die man gefunden zu haben glaubt, zu leben wagt.“

Schulleiter seit 1982:

1982 - 1990: RegR Prof. Josef Hauser

1990 - 2003: OStR Prof. Ingomar Öhler

2003 - 2008: OStR Prof. Wendelin Scherl

seit 2008: Prof. Thomas Stecher, BEd

 

Verwendete Literatur und benutzte Quellen:

Schulchronik, Festschrift „Im Dienst der Erziehung“ zum 175jährigen Bestehen des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern von Zams, Historischer Leitfaden der Gemeinde Zams.



[1] Maria Montessori (* 31. August 1870 in Chiaravalle; † 6. Mai 1952 in Noordwijk aan Zee) war eine italienische Ärztin, Reformpädagogin, Philosophin und Philanthropin. Sie entwickelte die Montessoripädagogik.

[2] Paul Moor (* 27. Juli 1899 in Basel; † 16. August 1977 in Meilen) war ein Schweizer Heilpädagoge.